Hintergrundgespräch: Wie verkauft sich Berlin in der Welt anlässlich der Fußball-WM?
am 08.05.2006 im Wallstreet-Hotel.
Vier Vorrundenspiele, ein Halbfinale und das Finale selbst bieten Berlin kommunikativ eine unschätzbare Steilvorlage. Trotz erster Zweifel eines Berlin-Hypes wie sie durch Ticketvergaben, Sponsoring-Friktionen oder späte Rückgabe von Bettenkontingenten geschürt werden, ist der Mehr-Wert des Mega-Events für Berlin unschätzbar.

- Buchholz, Lemhoefer, Donnermeyer (vlnr) [© VBJ]

- Blick ins Publikum [© VBJ]
"Außerhalb der Stadien spielt für uns die WM", machten Michael Donnermeyer, Sprecher des Senats und Gerhard Buchholz, WM-Koordinator der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) beim Hintergrundgespräch zur Hauptstadtkommunikation deutlich. Konzipiert als "Closed Shop" mit kontingentiertem Ticketing bietet die FIFA-WM im Wettbewerb der 12 Austragungsstädte dennoch erhebliche Gestaltungsräume für die Vermarktung der Kultur- und Sportmetropole.
Berlin lädt zu Großbildleinwänden ein - ein kostenloses Fußballevent für alle an zentralen Orten der Stadt. Unter dem Motto "Berlin ist auch ohne Ticket eine Reise wert" sollen Fans mobilisiert werden. Allein 1.500 (Kultur-)Veranstaltungen täglich, die Fanmeile auf der Straße des 17. Juni, ein Nachbau des Olympiastadions vor dem Reichstag, die Streetfootball-WM am Mariannenplatz mit Jugendlichen aus Straßenkinderprojekten aus 24 Ländern bieten Berlinern und Gästen der Stadt ein einzigartiges Eventangebot.
Medienvertreter aus aller Welt sollen Berlin als weltoffene Stadt präsentieren und Besucher auch nach der WM in die Hauptstadt ziehen. Der Informationsbedarf der rund 15.000 erwarteten Journalisten ist schon heute erheblich. Für inhaltlich fundierte und facettenreiche Berichterstattung gerade auch zu den weichen Themen rund um Fußball und Berliner Lebenswelten sorgt neben der FIFA die Berlin-spezifische "Contentproduktion" des Presseinformationsamts und der BTM - so Donnermeyer. Weder auf einen Masterplan noch auf ein nennenswertes Budget könne sich die Presse- und PR-Arbeit des Senats zur WM verlassen (5 Mio. Euro aus dem Etat sind längst dem Rotstift zum Opfer gefallen). Es bleibt geschicktes Verhandeln mit Sponsoren und Kooperationspartnern, um leistungsfähige Partner zum Nutzen der Stadt miteinander zu vernetzen ("erlaubte Parasitentaktik").
Die teilnehmenden PR-Fachleute und Journalisten diskutierten ausgiebig Donnermeyers Aussage, Journalisten würden negativen Aspekten der WM zu viel Platz einräumen und sensible Stimmungslagen im Vorfeld negativ manipulieren (Thema Sicherheit und Mängelklagen). Auch der Grad der Kommerzialisierung der WM erschien einigen dem Image Berlins nicht zuträglich - wie beispielsweise die öffentliche Präsentation von überdimensionierten Kopfschmerzpillen, Sportschuhen und Sportwagen im Regierungsviertel.
Moderatorin Claudia Lemhoefer vom VBJ-Fachausschuss Presse- und Öffentlichkeitsarbeit konnte schließlich ein Resümee ziehen: Es bleibe zu hoffen, dass die Hauptstadt mit neu gewonnenen Städtetouristen entsprechend dem "Athen-Effekt" morgen und übermorgen punkten kann. Die WM biete jedenfalls alle Chancen, weltweit und nachhaltig die "Marke Berlin" weiter zu etablieren. Effiziente Hauptstadtkommunikation werde Berlin auf Ballhöhe bringen.
[11.05.2006]



