Neuer Vorstand beim FA Print


Die Branche des Printjournalismus steht vor grundlegenden Veränderungen. Die Debatte über Qualität und Wert des Journalismus betrifft ihn in besonderem Maße, weil er derzeit den größten Umbruch erfährt. Ein Anzeichen sind stagnierende oder sinkende Anzeigenumsätze und Vertriebserlöse. Jedoch gibt es online und auf dem Tablet auch eine Reihe von neuen Möglichkeiten und Chancen, die interessante Impulse geben. Wir wollen mit unserer Arbeit den Prozess beobachten, begleiten und beeinflussen.

 

Michaela Müller studierte Geschichte und Politikwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin. Sie arbeitet als freie Journalistin für Tageszeitungen und Zeitschriften. (Foto: Christian Kielmann)

Carsten Schäfer studierte Germanistik an der Ruhr-Universität Bochum und volontierte bei der Märkischen Allgemeinen Zeitung. Er ist Lokalredakteur bei der MAZ in Neuruppin. (Foto: Fotocenter Berlin)

 

Alexander Sosnowski ist als Publizist und Journalist für deutsche und russische Medien und für die Deutsche Welle tätig. Er ist Gründungsmitglied des JVBB. (Foto: privat)

Kontaktdaten

 

Vorsitzende: Michaela Maria Müller: michaela.maria.mueller(at)email.de

Stv. Vorsitzende: Carsten Schäfer: mail(at)carstenschaefer.de

Alexander Sosnowski: alexander(at)sosnowski.org

 

 

 

 

 

 

Tagesseminar mit Ch.Links

Ein Sachbuch schreiben II

Es dauerte keine zwei Stunden, da war das Tagesseminar "Ein Sachbuch schreiben" ausgebucht und die Warteliste eröffnet: 20 interessierten Journalistinnen und Journalisten erklärte der Autor und Verleger Christoph Links (ChLinks Verlag) schließlich am 4. April die wichtigsten Schritte auf dem Weg zum eigenen Sachbuch.

Im Detail ging Christoph Links auf all die Fragen ein, die er beim jüngsten Roundtable das FA Print am 18. Februar nur anreißen konnte: die Entwicklung des eigenen Themas und die Suche nach einem passenden Verlag, die Konkurrenzanalyse, Exposé, Zeitplanung, Honorarsituation, Vertragsgestaltung.

Viele Informationen waren für die Teilnehmer ernüchternd, zum Beispiel die massive Konkurrenz aufgrund der Flut der Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt oder die magere Honorierung. Vieles machte aber auch Mut, etwa die Möglichkeit, ein Thema jenseits des kurzatmigen Alltagsgeschäfts zu vertiefen, das eigene Profil zu verbessern oder zum Spezialisten für ein bestimmtes Gebiet zu werden. (April 2009)

 

 

 

 

Roundtable mit Ch.Links

Ein Sachbuch schreiben I

komplett ausgebuchter Abend in der Geschäftsstelle | © VBJ
Verleger Christoph Links | © VBJ

Sogar umgestülpte Papierkörbe mussten als Notsitze dienen, als am gestrigen Mittwoch der Verleger Christoph Links zum Roundtable des „FA Print“ gekommen war. In seinem Vortrag gab der Verleger des ChLinks-Verlags sehr präzise Ratschläge, wie Journalisten die Zusammenarbeit mit einem Sachbuchverlag angehen sollten. Links, der in den achtziger Jahren selbst Redakteur bei der Berliner Zeitung war, hat in seinem Buchprogramm heute einen Großteil journalistischer Autorinnen und Autoren.

 

Sein Rat: Zunächst einen passenden Verlag zu suchen, in dessen Programm die eigene Idee oder Recherche gut hineinpassen würde – also nicht unbedingt einen der Großverlage. Dann ein Exposé von wenigen Seiten anzufertigen. Inhalt: Was will ich wem sagen? Wie will ich das darstellen? Wie sieht die Konkurrenzsituation aus, mit ähnlichen Büchern anderer Verlage? Und schließlich: Angaben zu Umfang und Zeitplanung. Dazu sollte man eine kurze Textprobe von 1-2 Seiten zu einem ähnlichen Thema legen, damit das Lektorat sich ein Bild von der Schreibweise machen kann.

 

„Seien Sie realistisch bei der Zeitplanung“, rät Links angehenden Autoren. Ein Jahr Vorlauf sei normal, wenn nötig auch länger, da der Autor oder die Autorin ja meist zwischendrin von anderen Arbeiten leben müsse.

 

Denn von den Bucherlösen allein kann man seinen Lebensunterhalt kaum bestreiten, meint Links. 8 bis 10 Prozent vom Ladenpreis, abzüglich der Mehrwertsteuer, bringen runde 1,30 EUR pro verkauftes Exemplar. Und wenn der Verlag von der üblichen 3-4.000er Auflage im ersten Jahr die Hälfte verkaufe, sei das schon sehr gut. Selbst Großverlage hätten meist keine höhere Startauflage.

 

Auch wenn nicht viel damit zu verdienen ist, rät Links Journalisten, Buchprojekte in Angriff zu nehmen: „ In jedem Fall verbessert es das Profil und erhöht die Akzeptanz auf dem eigenen Spezialgebiet.“

 

In der Zusammenarbeit mit dem Lektorat rät der Verleger zu Offenheit: Alle Probleme, gerade auch mögliche juristische Klippen, sollten offen besprochen werden, gegebenenfalls dem Anwalt oder Justiziar vorgelegt werden. Für die sorgfältige Recherche und das Sammeln von juristisch verwertbaren Belegen gelten die gleichen Regeln wie im Journalismus. Nur, sagt Christoph Links, ist das finanzielle Risiko, dass Textstellen in einem schon gedruckten Buch zu schwärzen sind, ein höheres als bei der Zeitung, wo es meist mit einer Gegendarstellung oder einer Richtigstellung glimpflicher abgeht.

 

Mehrere Zuhörer interessierten sich für Book-on-demand als Alternative zum Verlag. Hierbei wird jeweils nur auf Bestellung ein Exemplar gedruckt. Neben dem höheren Druckpreis hat dies, erläuterte Ch. Links, aber den Nachteil, dass das Buch zwar im Verzeichnis lieferbarer Bücher zu finden ist, aber nicht bei den sog. Barsorimentern bestellt werden kann, die Buchhandlungen von einem Tag auf den anderen beliefern. Außerdem macht niemand Werbung dafür oder kümmert sich um Rezensionen und Lesereisen. (Februar 2009)