VBJ-Podium mit DJV, ver.di und Freischreiber

„Die Freien stark machen“

Diskussion in der Werkstatt der Kulturen
vlnr: Kai Schächtele, Heike Rost, Thomas Franke, Ulrike Maercks-Franzen

Wer vertritt die Freien – gegenüber den Auftraggebern, in der Politik? Und wer berät sie? Kai Schächtele, Vorsitzender des neu gegründeten Vereins „Freischreiber“ startete die Podiumsdiskussion mit der These, die Gewerkschaften täten zwar viel, aber gleichzeitig auch zu wenig. Vor allem zu wenig für die Vernetzung unter den Freien. Man müsse die Freien „dazu bringen, sich zu engagieren“. Freischreiber sei insofern eine Art „Selbsthilfegruppe“. Heike Rost, freie Fotografin und Vertreterin des DJV-Bundesfachausschusses „Freie Journalisten“, griff das auf. Sie begrüße „jede Initiative“, um Freie zu organisierten. Und sie betonte, dass der DJV in vielen Bereichen aktiv sei, unter anderem bei Tarifverhandlungen und der Lobbyarbeit für die Freiberufler, aber auch wenn es um den Kontakt und die Betreuung jedes einzelnen geht. Sie habe deshalb in ihrem Landesverband Rheinland-Pfalz eine ehrenamtliche Freien-Sprechstunde eingerichtet.

 

Hinter diesen Aktivitäten mochte auch Ulrike Maercks-Franzen, Bundesgeschäftsführerin der dju in ver.di, nicht zurückstehen. Akribisch zählte sie die Aktivitäten der dju für Freie auf, darunter das viel gelobte Beratungsnetzwerk mediafon. Sie bedauerte aber, dass viele Angebote der Gewerkschaften zu wenig nachgefragt würden: "Wir müssen einiges noch viel bekannter machen."

 

Netzwerke, warf der Moderator Thomas Franke (VBJ) ein, „leben davon, dass die Mitglieder etwas einbringen, nicht davon, dass Leute etwas herausholen.“ Sie funktionierten eben auf Dauer nur da, wo sich die Betroffenen auf Dauer selbst engagierten.

 

Danach gefragt, was „Freischreiber“ denn anders mache, als die beiden großen Verbände dju und DJV, berichtete Kai Schächtele von einer aktuellen Aktion: Vier Mitglieder von "Freischreiber" hätten gerade einen Protestbrief an die Leitung der Zeitschrift „Eltern“ wegen Honorarkürzungen initiiert. Die Vertreterinnen von DJV und dju fanden das zwar eine gute Idee, meinten aber einhellig, dass sie soetwas bereits seit langem machen.

 

Heike Rost, Vertreterin des DJV, hob besonders hervor, dass man für größere Aktionen den hauptamtlichen Apparat einer großen Organisation braucht. Anders wäre zum Beispiel die Verbandsklage gegen die Honorarbedingungen des Axel-Springer-Verlags nicht möglich gewesen. Oder die E-Mail-Kampagne gegen Versuche, die KSK abzuschaffen im vergangenen Jahr: „Da geht nichts ohne Gewerkschaften“, betonte Rost.

 

Aus dem Publikum kam dennoch Kritik: „Die Gewerkschaften haben es nicht geschafft, materielle Verbesserungen für die Freien so wie für die angestellten Redakteure zu erreichen.“ Daraufhin meldete sich im Publikum der Justiziar des DJV, Benno Pöppelmann, zu Wort. Der Grund dafür liege in der Natur der Sache, erläuterte er. "Freie Journalisten haben in Deutschland kein Streikrecht – sie können höchstens ihre Auftraggeber boykottieren, und dafür fehlt meist der Zusammenhalt." Aus historischen Gründen, so ergänzte Heike Rost, sei dies bei Fotografen ein wenig anders als bei Autoren. Dort sei es vielfach gelungen, auch kollektiv etwas durchzusetzen. Allerdings habe sich die Marktlage mittlerweile so verschlechtert, dass heute auch viele aus der Solidarität ausbrechen und ihre Bilder zu Dumpingpreisen anbieten.

 

Gut zwei Stunden dauerte die Diskussion. Zum Abschluss betonte „Freischreiber“-Vertreter Schächtele noch einmal, dass Freischreiber nicht vorhabe, "gegen die Gewerkschaften zu kämpfen“, und - da waren sich alle einig - Zusammenarbeit gefragt sei. Ulrike Maercks-Franzen brachte es auf den Punkt: „Wir alle versuchen, die Freien stark zu machen.“

 

15.05.2009