Podcast – Radio zum Mitnehmen

Roundtable Podcast
Roundtable Podcast in der Geschäftsstelle

Am 6. September widmete sich der Fachausschuss Rundfunk dem Thema "Postcasting". Eingeladen waren Matthias Vorndran vom RBB, Birte Lock und Manfred Hilling vom Deutschlandradio und Holger Hank von der Deutschen Welle. Sie erklärten den rund 30 Zuhörern nicht nur, wie das Abonnieren von Sendungen mit Hilfe eines "RSS-feed" funktioniert, sondern erläuterten auch die Strategien ihrer Sender gegenüber der neuen Technik der Weiterverbreitung.

Podcasting – der Begriff ist eine Mischung aus "iPod" und "Broadcasting" – nennt man die Produktion und Veröffentlichung von Audio- und Videodateien über das Internet. Nutzer können sich damit ihr eigenes "Radioprogramm" am heimischen PC zusammenstellen und zeitunabhängig über ihren MP3-Player wie den "iPod" hören.

Die öffentlich-rechtlichen Radiosender stellen einen zunehmenden Anteil ihrer Wort-Beiträge wie Interviews, Sprachkurse, Nachrichten und Serien kostenlos zur Verfügung. Interessanterweise wird beim DLR der Bereich Wissenschaft hierbei von den Nutzern am meisten frequentiert. Dadurch, dass die Hörer ganze Sendereihen abonnieren können, entsteht eine neue Form des Kontaktes. Sender bekommen durch Podcasting die Möglichkeit, auch lange Beiträge zeitunabhängig anzubieten, die normalerweise gar nicht oder nur zu sehr später Stunde im Programm Platz finden würden.

 

Nur Wortbeiträge – langweilig?

Bislang können allerdings aus lizenzrechtlichen Gründen weder Musik noch Hörspiele als Podcast freigegeben werden. Matthias Vorndran, der das Podcasting bei der rbb-Welle "Fritz" betreut, fürchtet gerade bei der jugendlichen Hörerschaft, dass sich der "Kick des Neuen" demnächst erschöpft und die Podcast-Abrufe stagnieren, wenn es nicht bald gelingt, auch Musiksendungen als Abonnement anzubieten. Ob diese technischen Neuerungen den Radiosendern tatsächlich wieder junge Hörer zuführen oder die Quoten rückläufig bleiben, wagt derzeit keiner der Experten abzuschätzen.

 

Urheberrechtliche Probleme

Da die öffentlich-rechtlichen Sender das Podcasting im Allgemeinen ohne zusätzliche Honorarmittel gestartet haben, bemühen sie sich, entweder individuelle Einwilligungen der Autoren zu bekommen, deren Sendungen ohne zusätzliche Honorarzahlung als Podcast anzubieten, oder sie stellen nur Beiträge fest angestellter Mitarbeiter ins Netz, bei denen sie über die nötigen Nutzungsrechte verfügen. Freie Mitarbeiter dagegen haben gewöhnlich die Rechte an dieser neuen Nutzungsart nicht abgetreten, so dass sie für Podcasting zusätzlich honoriert werden müssten.

Natürlich können freie Journalisten die neue Verbreitungsart auch nutzen, indem sie privat Sendungen produzieren (wie z. B. das Berliner "Küchenradio") und diese auf einer Podcast-Plattform wie www.podcast.de ins Netz stellen. Allerdings zeigt die bisherige Erfahrung, dass nur wenige Produktionen tatsächlich Geld einbringen.

Eine Hitliste der beliebtesten Podcasts bieten die iTunes Music Store Charts – doch auch eine gute Platzierung hier heißt noch lange nicht, dass sie sich auch materiell lohnt.

Der Fachausschuss Rundfunk wird die Entwicklung des Podcasts weiter beobachten und bei Interesse einen vertiefenden Roundtable zu diesem Thema initiieren.

 

08.09.2006