Olga Kitowa zu Gast beim VBJ:
"Es riecht nicht nach Demokratie"

- Roundtable "Pressefreiheit" | © Bredel

- Dolmetscherin M. Sannikowa, O. Kitowa, Moderatorin G. Dornblüth (vlnr) | © Bredel
"Ich habe eine gute Nase", sagte Olga Kitowa bei ihrem Besuch im Fachausschuss Europa, "und in Russland riecht es nicht nach Demokratie." Der Mord an ihrer Kollegin Anna Politikowskaja hat die russische Journalistin, die 2003 den Preis der Pressefreiheit des DJV erhielt, nicht eingeschüchtert.
35 Kolleginnen und Kollegen hatten sich in der Geschäftsstelle versammelt, um ihren Ausführungen zu lauschen. Sie kannte Politkowskaja, beide schrieben für die Nowaja Gazeta. "Wenigstens wird Annas Name nicht im Nachhinein in den Schmutz gezogen", sagt Kitowa, "denn sie hat immer ehrlich gearbeitet."
Olga Kitowa stammt aus Belgorod, einer Stadt im Südwesten Russlands. Aufgrund ihrer investigativen Artikel über die Machenschaften des dortigen Gouverneurs und seiner Entourage wurde sie mehrfach bedroht, verhaftet und vor Gericht gezerrt. Nach einem Jahr im Exil in Deutschland kehrte sie nach Russland zurück und berichtet nun wieder über die Verhältnisse in Belgorod. Zum Beispiel darüber, dass der Gouverneur drei Milliarden Rubel, umgerechnet etwa 80 Millionen Euro, aus der Staatskasse entwendet habe. Leider bleibe ihre Berichterstattung ohne Folgen. "Ich habe diese Informationen der Staatsanwaltschaft übergeben und an die Duma geschrieben. Niemand hat reagiert."
Das Gespräch der Berliner Journalisten mit der mutigen Kollegin war nicht zur Veröffentlichung gedacht. Kitowa hatte jedoch eine Bitte: "Alles, was Belgorod und den Gouverneur angeht, können Sie getrost aufschreiben, und zwar in ganz großen Buchstaben."
02.11.2006 | Thomas Franke



