Roundtable "Migranten in den Medien"

Knapp zwei Monate nach Gründung des ersten Zusammenschlusses von Berliner Journalisten mit Migrationshintergrund gab es gestern Abend den zweiten Roundtable zu dem aktuellen Thema in der Geschäftsstelle.

 

Geladen war Dr. Lutz Michel, Leiter des MMB Instituts für Medienforschung in Essen und Autor der einzigen umfassenden Studie zu Migranten in den deutschen Medien. Mit ihm diskutierte die Chefredakteurin von Radio Multikulti beim RBB, Ilona Marenbach. Durch den Abend führte Minou Amir-Sehhi, freie Fernsehjournalistin bei der ARD und Mitglied im VBJ.

 

Die Teilnehmer forderten ein stärkeres Bewusstsein und mehr Sensibilisierung für die Mitarbeit von interkulturellen Journalisten in den deutschen Medien ein. Zwar wird in letzter Zeit viel über das Thema diskutiert - siehe Integrationsgipfel - aber nicht genug getan.

 

Aus der Perspektive der Chefredakteurin appellierte Ilona Marenbach an das Plenum, seine spezifischen Kompetenzen als Journalisten mit Migrationshintergrund stärker zu nutzen und anzubieten. Eine Anregung war beispielsweise, die Synergieeffekte aus einem Zusammenschluss in Journalistenbüros zu nutzen.

 

Sowohl Marenbach als auch Michel sprachen sich für eine Quote aus - nicht bei der Einstellung von Journalisten mit Migrationshintergrund, sondern in der Ausbildung. Dr. Lutz Michel betonte zudem, dass die Förderung bereits in der Schule anfangen müsse. Denn während sich der Beruf bei deutschen Jugendlichen einer ungebrochenen Beliebtheit erfreut, scheuen Kinder aus Migrantenfamilien ihn offenbar. Ein Grund könnte nach Ansicht des Wissenschaftlers die sprachliche Kompetenz sein. Ein weiteres Manko: die fehlenden Vorbilder. Als "Good Practice" könnte das Modell von BBC und CNN dienen, in dem die Vertreter aller möglichen Nationen auch vor der Kamera vertreten sein müssen.

 

Letztlich war man sich allerdings einig: Erst wenn die Erkenntnis wächst, dass es sich auch finanziell für die Medien lohnt, Migrantengruppen als Leser, Zuschauer und Hörer zu gewinnen, werden sich die Redaktionen auch für Mitarbeiter mit Migrationshintergrund stärker öffnen.

 

[17.10.2006]