"Radio als Vollprogramm hat kaum noch eine Chance - Musik ist der dominante Faktor"

- Dr. Michael Rediske, Dr. Hans Hege,
Vor dem Hintergrund der Insolvenz des Privatradios Hundert,6 diskutierte Dr. Hans Hege, Direktor der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB), am Mittwochabend mit rund 20 Kolleginnen und Kollegen über das Thema Lizenzvergabe und -kontrolle. "Radio als Vollprogramm hat kaum noch eine Chance. Musik ist der dominante Faktor", sagte der MABB-Chef beim Roundtable in unserer Geschäftsstelle.
Die Programmbeobachtungen der MABB hätten festgestellt, dass "fast überall die Beiträge rausgeflogen sind". Das sei nachvollziehbar, da die Netto-Werbeeinnahmen der Privatradios zwischen 2000 und 2003 um 28 % zurückgegangen seien. Gleichwohl stellten diese Reduzierungen der Wortbeiträge Verstöße gegen die Lizenzauflagen dar, die auch angemahnt würden. Bis allerdings einem Privatsender die Lizenz entzogen werde, dauere es. Denn, so Hege weiter, die MABB berücksichtige auch die wirtschaftlichen Konsequenzen eines Lizenzentzuges. Die Medienanstalten betrieben ja immer auch Standortpolitik und hätten auch an die Arbeitsplätze zu denken. Gebe es jedoch eine Änderung in der Gesellschafterstruktur, dann müsse die Frequenz auf jeden Fall neu ausgeschrieben werden. Dann habe - auch im Falle von Hundert,6 - immer derjenige die besten Chancen, der auch Risiken eingehe. Das ergebe sich schon aus der Aufgabe der MABB, Vielfalt in der Medienlandschaft zu garantieren.
In fünf Jahren werden nach Ansicht Heges die meisten Radioprogramme immer noch über UKW-Frequenzen verbreitet, aller Digitalisierung zum Trotz. Er fürchtet, die Konzentration auf dem Radiomarkt und die Tendenz zu Senderfamilien lasse sich nicht stoppen.
Mit Blick auf den Fernsehmarkt, der heute von reinen Finanzinvestoren dominiert werde, sagte Hege, diese Entwicklung wolle die MABB möglichst für den Hörfunk verhindern.
[23.06.2005]



