Interviews mit Trauma-Opfern

Roundtable mit Fee Rojas und Petra Tabeling

Plenum

Analog dem Leitspruch "Deutschland sucht das Supertrauma" (Peter Riedesser) oder "Wir brauchen Bilder von Toten, weinenden Menschen, gequälten Tieren" (Tagesschau) diskutierten am gestrigen Abend rund 30 Journalisten in der Geschäftsstelle des VBJ, moderiert von Thomas Franke vom Fachausschuss Europa. Als Referentin waren Fee Rojas, Journalistin und Therapeutin eingeladen und Petra Tabeling, freie Journalistin, die über ihre persönlichen Erfahrungen mit Traumatisierten und über ihre Mitarbeit im "Dart Centre for Journalism and Trauma" berichtete.

Intensiv beschäftigten sich die Kolleginnen und Kollegen mit der Frage nach einer opfergerechten Aufbereitung ihrer Themen. Ganz praxisnah schlug Fee Rojas für den journalistischen Umgang mit Traumatisierten vor, dem Interview vorausgehend ein Vorgespräch zu führen und zum Beispiel Handzeichen zu verabreden, um den Gesprächspartner vor einem Rückfall in seine Opferphysiologie zu bewahren. Petra

Tabeling empfahl Crashkurse schon innerhalb der Journalistenausbildung anzubieten, denn während es für Feuerwehr, Polizei und Bundeswehr psychologische Betreuung gibt, müssen sich Journalisten um professionelle Unterstützung bislang selbst kümmern.

Als ein konkretes Ergebnis des Abends ist die Ankündigung vom Geschäftsführer des VBJ, Michael Rediske, und dem Vorstandsmitglied, Detlef Witt-Schleuer, anzusehen, sich beim DJV dafür einzusetzen, dass zukünftig Workshops zum Umgang mit Traumatisierten organisiert werden.

 

 

Literaturhinweise:

 

* Emcke, Carolin (2004): Von den Kriegen - Briefe an Feinde, Frankfurt/ Main: Fischer.

 

* Siebenthal von, Rolf (2003): Gute Geschäfte mit dem Tod - Wie die Medien mit den Opfern von Katastrophen umgehen. Basel: Opinio Verlag.

 

 

07.12.2006 | Sandra Marquardt