Interkulturelles Netzwerk
"Migration, Bildung und Berufserfolg"
Zu einer Debatte über die neue Berliner Integrationsstudie "Ungenutzte Potentiale" hatte am Dienstagabend das Interkulturelle Netzwerk des VBJ eingeladen: Dr. Reiner Klingholz, Geschäftsführer des Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, stellte sich einer sehr differenzierten Diskussion über seine umstrittene Migrationsstudie. Es ist die erste, bei der Bildung und Erfolg einzelner Migrantengruppen miteinander verglichen werden. Sie beruht auf den Zahlen des bundesweiten Mikrozensus 2005, wo erstmals Menschen nach ihrem Migrationshintergrund gefragt wurden, vorher konnte nur nach deutschem und nicht-deutschem Pass unterschieden werden.
Das Berlin-Institut hat 20 Kriterien für eine gelungene Integration aufgestellt, am umstrittensten: Die deutsche Staatsangehörigkeit, die Höhe der Hausfrauenquote und die Zahl bikultureller Ehen. Das wurde von einigen Zuhörern, darunter dem stellvertretenden Rundfunkratsvorsitzenden, Suat Bakir, kritisiert. Dieser fand es auch schwierig, dass die zwanzig Kriterien ohne Gewichtung verwendet wurden. Doch Klinholz meinte: "Auch wenn wir 100 Indikatoren genommen hätten, wäre kein anderes Ergebnis herausgekommen."
Besondere Kritik rief in der Öffentlichkeit das schlechte Abschneiden der türkischen Migrantengruppe hervor:"Die neue Generation will die Opferrolle nicht mehr", sagte Suat Bekir.
Auf die Kritik, man verlange von der zweiten türkischen Migrantengeneration "zu viel und zu früh" wenn man sie mit dem Durchschnitt der Mehrheitsgesellschaft vergleiche, antwortete der Autor der Studie: "Nach 40 Jahren müssen Migranten nicht unbedingt gleichgezogen haben, aber ich will doch wissen, warum das so ist, wie es ist."
Ein weiterer ausführlicher Diskussionspunkt war die Medienrezeption: Das Berlin- Institut hatte sich für den "Spiegel" als ersten Informant über die Studie entschieden, was an einem Samstag zu einer Vorabmeldung mit einer türkenkritischen Überschrift führte, während der Leiter selbst erst am Montag die Gelegenheit hatte, seine Ergebnisse in einer Pressekonferenz vorzutragen, - die dann allerdings rappelvoll war. "Wir können die Medien eben nicht steuern", meinte der Wissenschaftler dazu.
Einer der 20 Gäste fragte schließlich nach konstruktiven Vorschlägen für die Zukunft. Reiner Klingholz' Vorschlag: Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik habe es so viele Integrationsangebote gegeben. Sie seien nur nicht gut koordiniert. Und: "Wir könnten uns ein Ziel setzen. Zum Beispiel, dass wir den Gymnasiastenanteil bei den Migranten in zwanzig Jahren um 20 Prozent steigern."
12.03.2009 | Amir-Sehhi
Antrittsbesuch in Obamas Botschaft
Einen Tag nach der Vereidigung von Barack Obama war es soweit: 20 Mitglieder von VBJ und BrJV durften in die wohl am stärksten gesicherte Botschaft Deutschlands. Ein halbes Jahr nach der Eröffnung des Gebäudes zeigten sich der Geschäftsträger und sein Presseattaché offen für unsere Fragen - auch wenn die Antworten meist recht diplomatisch ausfielen. Kein Wunder: Schließlich hat die neue Regierung ihre Politik noch nicht definiert. Wann der neue Botschafter nach Berlin kommt? Antwort von Geschäftsträger John Koenig: Es kann im Frühjahr, im Sommer, aber auch erst im Herbst sein. In der Regel handele es sich um ein "political appointment" durch den Präsidenten persönlich.
Koenig empfing unsere Besuchergruppe direkt nach einer Videokonferenz mit Washington zur Vorbereitung der Münchner Sicherheitskonferenz. Nein, wer die neue US-Regierung dort vertreten werde, sei noch nicht klar. Auf Nachfrage deutete er aber an, es könne über die übliche Teilnahme des Verteidigungsministers hinausgehen. War das eine Andeutung, dass Hillary Clinton die Delegation anführen könnte?
Ansonsten hielt Mr Koenig sich inhaltlich überwiegend an die Antrittsrede Barack Obamas.
Ob es unter dem ersten schwarzen US-Präsidenten mehr interkulturelle Mitarbeiter geben könnte? Die Gruppe hatte bei ihrem Rundgang durch das Gebäude, dessen Gänge mit einer beeindruckenden Fülle moderner Malerei ausgestattet sind, vor allem weiße Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu sehen bekommen. Auch das konnte Mr Koenig erklären: Rund zwei Drittel seien lokale Angestellte, zumeist Deutsche. Und auch die Amerikaner, die hierher geschickt würden, weil sie deutsch beherrschen, seien oft Nachkommen von deutschen Einwanderern. Ausgetauscht würde mit dem Regierungswechsel ohnehin nur der Botschafter selbst.
Auf die Frage eines Kollegen, was man gegen die rigiden Einreisebestimmungen in die USA für freie Journalisten machen könne - sie brauchen eine schriftliche Bestätigung eines "seriösen" Mediums, dass sie auch wirklich für dieses berichten werden - sagte der Presseattaché Bruce Armstrong, ihm sei das Problem bewusst, man könne da aber keinen politischen Einfluss auf den Kongress nehmen, wolle sich aber bemühen, den einzelnen Betroffenen zu helfen. Daraufhin baten eine ganz Reihe aus der Gruppe um seine Visitenkarte.
Nach dem Gespräch und einer Führung durch das Botschaftsgebäude kam dann der Höhepunkt, ganz wörtlich genommen: der Blick von der Terrasse des Gebäudes, die Normalsterblichen nicht zugänglich ist: auf das Brandenburger Tor, die Quadriga zum Anfassen nahe.
Von der Presseabteilung der amerikanischen Botschaft wurden wir eingeladen, in einigen Monaten noch einmal mit einer Gruppe des Interkuturellen Netzwerkes zu kommen, wenn der neue Botschafter im Amt ist und uns persönlich Rede und Antwort stehen kann.
22.01.2009 | Amir-Sehhi / Rediske
Roundtable mit Navina Sundaram
Am vergangenen Donnerstag hatte das Interkulturelle Netzwerk die erste interkulturelle Journalistin des deutschen Fernsehens geladen: schon in den 70er Jahren berichtete Navina Sundaram als ARD-Korrespondentin aus Indien und war regelmäßig im WDR zu Gast bei Werner Höfers "Internationalem Frühschoppen".
Zusammen mit der gebürtigen Inderin, die heute in Hamburg lebt, schaute sich die Runde Fernsehberichte von ihr aus Weltspiegel und Tagesschau an.
"Sehr geehrte Herren! Es ist ein Skandal, dass diese Sendung von einer Ausländerin moderiert wird. Es ist weiter ein trauriges Zeichen, dass sich bei Euch kein Mann findet, der das macht. Diese Dame soll doch in ihr Kaffernland gehen."
Dieser Zuschauerbrief aus den 80er Jahren als Reaktion auf die Weltspiegel-Moderation von Navina Sundaram war nur einer von vielen, die der indischstämmigem Moderatorin beim NDR das Leben schwer machten. Doch die engagierte Journalistin ließ sich davon nicht beeindrucken und machte weiter als eine echte Exotin: als erste interkulturelle Journalistin und meistens als einzige Frau unter Männern.
Wie alles begann
Mitte der 60er Jahre suchte der erste ARD-Indien-Korrespondent für seine Vor-Ort-Reportagen ein bisschen "Lokal-Kolorit" - Hans-Walter Berg pflegte mit seiner Familie in den Bergen nicht all zu weit von Neu Delhi Urlaub zu machen, dort, wo auch Navina Sundarams Familie ein Haus besaß. So traf der Korrespondent auf die junge Studentin der englischen Literatur und Geschichte. Von ihrem journalistischen Talent begeistert, kam sie 1964 ins Nachwuchsstudio des NDR, danach berichtete sie immer wieder aus Indien, lebte aber auch in Hamburg. Ein Bericht war damals aktuell, wenn das Stück fertig war: Gedreht wurde auf Film und bis das Material von Neu Delhi nach Hamburg gekommen und entwickelt war, konnte schon einige Zeit vergehen. Als echtes "Urgestein" bezeichnete sich die heute 63jährige Journalistin auf dem Roundtable.
Ihren Beruf übte Navina Sundaram zu einer Zeit aus, in der noch nicht einmal der Begriff "Migrationshintergrund" existierte. Folglich gab es für die Reporterin auch keine interkulturellen Themen, wie wir sie heute kennen. Im Gegenteil, als "Ausländerin" traute man ihr in den ersten Jahren wenig Objektivität bei "ausländischen" Themen und wenig Kompetenz bei "inländischen" zu. Diese Barrieren wusste sie aber im Laufe der Zeit zu überwinden und befasste sich mit durchaus heißen Eisen: In ihrem Tagesthemen-Kommentar zu einer Bundestagsdebatte über den Paragraphen 218 plädierte sie resolut für seine Abschaffung. Klar Position beziehen, das war für die streitbare Journalistin immer selbstverständlich. Davon könnten sich heute so manche Kommentatoren eine Scheibe abschneiden, fanden die begeisterten Teilnehmer der spannenden Diskussion.
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Amir-Sehhi | 07.04.2008
Roundtable mit Buchautorin Mely Kiyak
Zehn türkeistämmige Abgeordnete hat die Journalistin Mely Kiyak in ihrem Buch "10 für Deutschland" interviewt, von der CSU bis zu den Grünen. Am Dienstagabend berichtete sie dem Interkulturellen Netzwerk von ihren Erfahrungen bei der Recherche.
"Wenn man den gleichen ethnischen Hintergrund hat, kann schon mal die Atmosphäre entstehen, dass man ins Plaudern kommt und einfach drauf los erzählt." Mal auf deutsch, mal auch auf türkisch. Und so entstanden Interviews und Beschreibungen, die weit lebendiger sind und mehr Persönliches preisgeben, als das gewöhnlich bei Politikern der Fall ist. So schrieb die Autorin über den Vorsitzenden der Aleviten in Deutschland, Ali Ertan Toprak, dass er bei den Treffen quasi ununterbrochen aß und "erst sein eigenes Frühstück aufaß und sich dann über meine Reste hermachte."
Der Kommunalpolitiker Murat Kalmis erzählte Mely Kiyak, dass er nächtelang geweint habe, weil er von den Grünen gemobbt wurde. Jetzt ist der gelernte Feuerwehrmann bei der FDP. Welcher deutschstämmige Politiker hätte das so jemals erzählt und dann auch noch autorisiert?
In ihrem Buch "10 für Deutschland" interviewt Mely Kiyak von der CSU bis zu den Grünen Abgeordnete, die ihre familiäre Wurzeln in der Türkei haben. Dabei hat die türkeistämmige, in Niedersachsen geborene Journalistin nicht viele Gemeinsamkeiten feststellen können. Die Herkunftsregion aus der Türkei scheint die Politiker näher zusammenzurücken als die Parteizugehörigkeit: Bei einem Netzwerktreffen türkeistämmiger Mandatsträger jedenfalls saßen diejenigen aus der Schwarzmeerregion an einem und die aus Ostanatolien an einem anderen Frühstückstisch zusammen, erzählt die Autorin.
Politische Erfahrungen gehen bei den interviewten Politikern oft auf persönliche, biographische Erfahrungen zurück. So erzählte Ekin Deligöz (MdB der Grünen) nach stundenlangem Gespräch mit Mely Kiyak von einer alten Freundin, die von einem Tag auf den anderen ein Kopftuch trug. Seit diesem Tag habe diese Freundin ihr nicht mehr die Hand gegeben. Die Begründung: "Ich kann dich nicht mehr anfassen, du bist nicht rein." Als sie diese Begebenheit erzählte, wurde ihr umstrittener Aufruf an muslimische Frauen, das Kopftuch abzulegen, verständlicher.
Als großes Idol beschreibt Mely Kiyak Cem Özdemir, denn er kam zu einer Zeit in den Bundestag, als die Integration von Migranten in Deutschland noch kein Thema war. Aber nicht nur mit ihm hatte sie ein spannendes Gespräch, mit anderen - wie z. B. Murat Kalmis - hat die Autorin sogar immer noch Kontakt: Auch nach Erscheinen ihres Buches "10 für Deutschland" ruft Kalmis sie noch ein- bis zweimal die Woche an, um mit ihr zu diskutieren.
24.01.2008
Roundtable mit SZ-Autor Juan Moreno
Seine Eltern waren klassische "Gastarbeiter" aus Andalusien, die in Hanau am Fließband arbeiteten und wenig deutsch sprachen. Bücher gab es zuhause kaum, erzählt der Redakteur der Süddeutschen Zeitung, der mit seiner Kolumne über die Banalitäten des Alltagslebens Kultstatus erlangte, am Dienstag beim Roundtable des Interkulturellen Netzwerks. Wie es zu der Kolumne kam? Juan Moreno meint, damals einen Vorteil als "schräger Vogel" aufgrund seiner Herkunft gehabt zu haben.
Heute aber versucht er, das "Ausländer-Ticket" zu vermeiden. Er hat mehrere Anfragen von Verlagen bekommen, ein Buch zu schreiben zur "Generation Caipirinha" oder ähnliches. Das interessiert ihn aber nicht.
Den jungen interkulturellen Journalisten rät er: "Ich würde dieses Ticket am Anfang der journalistischen Karriere benutzen, dann aber dafür kämpfen, keine Ausländerthemen zu bearbeiten." Mittlerweile arbeitet der vielseitige Journalist auch als Radiomoderator bei "Funkhaus Europa" im WDR und schreibt zu gleichen Teilen bei der SZ und beim "Spiegel". Eine Seltenheit, für zwei große überregionale Blätter zu schreiben. Auch beim "Spiegel" hat er schon mehrmals Reportagen zu Moscheebauten oder anderen Migrationsthemen abgelehnt. Stattdessen widmet er sich lieber Fußballthemen oder dem deutschen Weihnachtsbaum. Das bringt ihm dann schon mal böse Leserbriefe: Er als Spanier habe doch keine Ahnung, was die Deutschen mögen.
Seine eigenen Kolumnen in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung fasste Moreno in einem Buch "Von mir aus. Wahre Geschichten" (dtv) zusammen, aus dem er beim Roundtable vorlas. Doch seine spanischen Eltern kann er weder mit seinen Büchern, noch mit seiner Arbeit für SZ oder "Spiegel" beeindrucken. Schreiben halten sie, wie viele Migranteneltern, eher für ein windiges Geschäft. Mit seiner Hörfunkmoderation beim WDR dagegen können sie schon mehr anfangen, seit der erfolgreiche Sohn sie mal mit ins Studio genommen hat. Trotzdem, so erzählt er, wäre es ihnen lieber gewesen, wenn er Arzt oder Bankkaufmann geworden wäre.
Amir-Sehhi | 30.11.2007
Roundtable mit ARD-Nahostkorrespondentin
Auf Einladung des Interkulturellen Netzwerks machte die ARD-Nahostkorrespondentin in Kairo, Golineh Atai, auf ihrer Deutschlandreise am vergangenen Donnerstag einen Abstecher nach Berlin. Rund 25 Kolleginnen und Kollegen hatten bei dem Roundtable Gelegenheit, sie nach ihren Erfahrungen als interkulturelle Journalistin zu befragen.
Die gebürtige Iranerin, die mit fünf Jahren nach Deutschland kam, sprach sich vehement für mehr junge interkulturelle Journalisten in den Redaktionen aus; doch dafür müsse etwas passieren, junge Leute müssten stärker informiert und motiviert werden.
Bei ihrem Arbeitgeber, dem SWR, hat Atai in ihrer Karriere sowohl positive als auch negative Diskriminierung erfahren. Man hat sie bewusst aufgrund ihrer regionalen und auch ihrer Sprachkenntnisse nach Kairo geschickt. Andererseits: Bei einem Vorstellungsgespräch wurde sie von einem Kollegen, der selbst lange im Ausland tätig gewesen war, gefragt, ob sie denn akzentfreies Deutsch beherrsche. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie schon viele Live-Schalten, Fernsehbeiträge und Reportagen gemacht.
Bei der Themenabsprache mit den Heimatredaktionen in Deutschland hat sie dieselben Probleme wie alle Auslandskorrespondenten: Die Redaktionen wollen Themen, die bestimmte Paradigmen oder Vorurteile bestätigen. Gern genommen werden Geschichten, bei denen z. B. sich ein Muslim vom Islam abgewandt hat und deshalb Schwierigkeiten bekommt. Kulturthemen hingegen, die jenseits von Klischees Neues und Unerwartetes mitteilen, werden selten genommen.
Golineh Atai versteht sich nicht als klassische Krisenberichterstatterin, sondern als Menschenberichterstatterin. Der Fokus, so sagt sie, wird bei ihr immer sein, etwas über die Menschen, die sie trifft, mitzuteilen. Und so beschäftigt sich der "Weltspiegel"-Beitrag, den sie zu Beginn des Roundtable vorführte, mit den tödlichen Folgen einer Zwangsbeschneidung in Ägypten und zeigt sozusagen live die Kontroverse unter den Frauen verschiedener Generationen darüber. An einer solch offene Diskussion unter muslimischen Frauen, sagt Golineh Atai, hätten sie und ihre jordanische Producerin sicherlich nur als "orientalische" Frauen teilnehmen können.
02.10.2007
Besuch in der britischen Botschaft
Die Treppe, die sonst die Queen hochschreitet, durften 20 Mitglieder des VBJ auf Initiative des Interkulturellen Netzwerkes letzten Dienstag benutzen:
Normalerweise bleibt die Britische Botschaft in der Wilhelmstraße der Öffentlichkeit verschlossen, aber für unsere Gruppe standen nach einer Führung durch das Haus auch Pressesprecherin Susan Speller und Pressereferentin Birgit Ihlau Rede und Antwort.
Bereits im 19. Jahrhundert gehörte das Areal an der Wilhelmstraße dem Vereinigten Königreich. Es hatte zuvor das Palais Strousberg erworben. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude schwer beschädigt und in den Nachkriegsjahren abgetragen. Das Grundstück blieb dennoch im Besitz der britischen Nation.
Nach dem Beschluss, den deutschen Regierungssitz von Bonn nach Berlin zu verlegen, entschloss sich die britische Regierung, wiederum an dem historischen Ort ein Botschaftsgebäude zu errichten.
Das Architekturbüro Michael Wilford & Partners bekam den Zuschlag. Die einzige Straßenseite des Gebäudes hat eine große Öffnung, die aber nur einen kleinen Einblick in die Botschaft geben soll. Für die Fassade gelten wie für alle umstehenden Gebäude sehr strenge Festlegungen, dazu zählt unter anderem die Traufhöhe von 22 Metern und auch der hohe Anteil an geschlossener Fläche. Aber auch das türkisgrüne Dach ist vorgeschrieben, das Michael Wilford hier als potemkinsche Konstruktion mit Dachschräge umsetzte; das Haus besitzt eigentlich nur ein Flachdach.
Das neue Botschaftsgebäude wurde am 18. Juli 2000 durch Königin Elisabeth II. eröffnet . Es gilt als die erste privat finanzierte Botschaft sowohl in Deutschland als auch in der ganzen Welt. Die britische Regierung zahlt 30 Jahre lang Leasing-Gebühren, danach kann sie es erwerben.
18.06.2007
Als Berlin-Korrespondent bei Al-Jazeera
Mit erstaunlicher Offenheit berichtete Aktham Suliman, Deutschlandkorrespondent von "Al Jazeera", am vergangenen Dienstag über seine Arbeit für den arabischen Muttersender, aber auch über die Konkurrenz im eigenen Hause, seit das neue Programm "Al Jazeera English" gestartet ist.
30 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer - Mitglieder des Interkulturellen Netzwerkes wie auch Gäste - stellten reichlich Fragen, so dass Aktham Suliman fast zwei Stunden eloquent von seiner Arbeit erzählte.
Angeheuert wurde Suliman einst über eine Anzeige in einer deutschen Zeitung, da hatte er sein Studium der Publizistik an der Freien Universität in Berlin schon abgeschlossen und arbeitete bereits für die Deutsche Welle. Im Gegensatz zu einem ARD-Korrespondenten, der alle 3 bis 5 Jahre in ein anderes Land kommt, ändert sich der Standort eines Al Jazeera Journalisten in der Regel nicht:
" Die Zeit der Korrespondenten ist nicht begrenzt. Manchmal bedauere ich es, dass ich nicht auch für einige Jahre woanders hin kann."
Ansonsten ist Suliman froh, dass die Zentralredaktion in Katar den Außenstellen viel Spielraum lässt. Weil sie nicht immer genau weiß, was in Europa wichtig ist, hat der Korrespondent viele Freiheiten. Auch der Emir, der den Sender finanziert, mische sich nicht in das Programm ein, allerdings gebe es bei gewissen Themen die Schere im eigenen Kopf. "Wir haben eine innere Zensur. Wir können nicht in allen arabischen Ländern berichten, wie wir wollen." So zeigt der Deutschland-Korrespondent beim Karneval der Kulturen möglichst wenig nackte Haut und verzichtet lieber auf das Thema Homo-Ehe.
Das neue Lieblingsprojekt des Emir von Katar ist "Al Jazeera English": In den neuen Sender wird viel Geld gesteckt, auch seien die Gehälter der meist angelsächsischen Journalisten viel höher als die beim arabischen Sender, berichtet Suliman. Aber: "Durch die englischsprachige Redaktionen haben auch wir Gäste, an die wir sonst nicht herankämen."
Auf seinen Sender ist der gebürtige Syrer stolz: "Niemand konnte ahnen, dass es so kommen würde: Auf einmal waren wir so groß. Wir werden von Millionen in der Welt gesehen."
24.05.2007
Interkulturelle Journalisten im Gespräch mit Dr. Claudia Nothelle, rbb
Noch innerhalb der ersten 100 Tage ihrer Amtszeit kam Dr. Claudia Nothelle, neue Chefredakteurin der rbb-Fernsehens, am Mittwochabend in die VBJ-Geschäftsstelle. Thema des Roundtable: "Interkulturelle Journalisten vor und hinter der Kamera."
Claudia Nothelle hat sich auf die Fahnen geschrieben, in ihrem Sender mehr Journalisten mit einem binationalen oder Migrationshintergrund einzusetzen: "Natürlich hätte ich gern Kolleginnen und Kollegen, die aufgrund ihrer Herkunft einen anderen, einen direkten Zugang zu Themen habe, den ich nicht habe. Ich freue mich, wenn sich solche Kollegen zu Castings melden." Diese müssten allerdings gleich gut sein wie die anderen Bewerber. Sie werde jedenfalls "keinen Migrantenbonus vergeben."
25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten engagiert mit Dr. Nothelle und dem VBJ-Vorsitzenden Gerhard Kothy, moderiert von Minou Amir-Sehhi, Koordinatorin des VBJ-Netzwerks "Interkulturelle Journalisten".
Einige der Teilnehmenden forderten mehr Normalität im Umgang mit interkulturellen Journalisten im Fernsehen, damit sich die Zuschauer an eine stärkere Präsenz von Migranten gewöhnten. Claudia Nothelle ergänzte dazu: "Es muss selbstverständlich sein, dass auch Experten als Studiogäste eingeladen werden, die einen Migrationshintergrund haben - wie zum Beispiel Ärzte oder Anwälte."
Im rbb-Fernsehen möchte sie das gern verwirklichen, auch mit Hilfe einer größeren Zahl von interkulturellen Journalisten. Claudia Nothelle sagte zu, in ein bis zwei Jahren das Interkulturelle Netzwerk wieder zu besuchen – und dann Resümee der Fortschritte in ihrem Sender zu ziehen.
25.01.2007
Roundtable "Migranten in den Medien"
Knapp zwei Monate nach Gründung des ersten Zusammenschlusses von Berliner Journalisten mit Migrationshintergrund gab es gestern Abend den zweiten Roundtable zu dem aktuellen Thema in der Geschäftsstelle.
Geladen war Dr. Lutz Michel, Leiter des MMB Instituts für Medienforschung in Essen und Autor der einzigen umfassenden Studie zu Migranten in den deutschen Medien. Mit ihm diskutierte die Chefredakteurin von Radio Multikulti beim RBB, Ilona Marenbach. Durch den Abend führte Minou Amir-Sehhi, freie Fernsehjournalistin bei der ARD und Mitglied im VBJ. Lesen Sie den ganzen Bericht vom 17.10.2006.
Künftiger Grünen-MdB Omid Nouripour beim VBJ
Netzwerk "Interkulturelle Journalisten" gestartet
Wieder einmal zeigte sich der Verein Berliner Journalisten innovativ – am vergangenen Mittwoch lud er zum Roundtable mit dem Thema "Migranten in den Redaktionen: warum so wenige?" – auch mit dem Ziel, ein Netzwerk interessierter Kolleginnen und Kollegen zu gründen.
Gastreferent war Omid Nouripour, der in der kommenden Woche als Nachrücker für Joschka Fischer in den Bundestag einziehen wird. Erschienen waren 25 Journalistinnen und Journalisten – rund die Hälfte davon mit "Migrationshintergrund". Lesen Sie den ganzen Bericht vom 25.08.2006.
Das Netzwerk
Die Veranstaltungen des Netzwerks sind für alle Interessierten offen. Als Mitglieder sprechen wir vor allem Journalistinnen und Journalisten mit interkulturellem Hintergrund an.
Wer Migrant der ersten, zweiten, dritten Generation ist oder aus einer binationalen Familie kommt, melde sich bitte bei der Koordinatorin Minou Amir-Sehhi ( www.minou.tv ) unter m.amir-sehhi(at)berliner-journalisten.de






















