Roundtable Aserbaidschan: Situation der Presse alamierend
500 Zeitungen erscheinen in Aserbaidschan, aber nur eine bemüht sich um Unabhängigkeit, und nur drei stehen der Opposition nahe - alle anderen werden mehr oder weniger von den Regierenden kontrolliert. Die Bilanz, die die aserbaidschanische Journalistin Sevil Yusifova zog, ist ernüchternd. Vor elf Kollegen im Verein Berliner Journalisten machte sie am vergangenen Mittwoch deutlich, wie es um die Pressefreiheit in ihrem Land steht - nämlich schlecht. Fast noch alarmierender ist, dass es in Aserbaidschan keinen einzigen von der Regierung unabhängigen TV Sender gibt. Denn 80 Prozent der Bevölkerung beziehen ihre Information, so Yusifova, ausschließlich aus dem Fernsehen - und sind damit der einseitigen Berichterstattung der regierungsnahen Medien ausgesetzt.
Sevil Yusifova leitet in Aserbaidschan eine unabhängige Journalistenorganisation "Reporter ohne Grenzen", die jedoch nichts mit der gleichnamigen internationalen Vereinigung zu tun hat. Sie zeichnet jährlich einen Freund und einen Feind der Pressefreiheit aus, und sie registriert Verstöße gegen die Pressefreiheit. Davon gibt es viele, besonders im Vorfeld der Parlamenswahl im November. Erst kürzlich wurde der Chefredakteur der Zeitschrift "Monitor", Elmar Hüseynov, ermordet. Die Hintergründe sind unklar. Ein anderes Mal rief ein Parlamentsabgeordneter öffentlich zum Mord an einem Journalisten auf, nachdem dieser die Namen der reichsten Aserbaidschaner veröffentlicht hatte.
Journalisten, die die Regierung kritisieren, laufen zumindest Gefahr, ihren Job zu verlieren, so Yusifova. "Es gibt eine schwarze Liste. Wer der Regierung nicht passt, bekommt keine Arbeitsstelle."
[19.08.2005]



