Pressegespräch mit arabischen Kulturjournalisten

- Roundtable mit arabischen Kulturjournalisten [© M. Rediske]
Das Urteil von Najwan Darwish aus Jerusalem über die Berichterstattung hierzulande über den Nahen Osten ist vernichtend: "Zu viele Vorurteile, schlecht recherchierte Geschichten, zu wenig Wissen über die Region", attestierte der freie Journalist den europäischen Medien auf der gemeinsamen Veranstaltung von "Reporter ohne Grenzen" und dem Fachausschuss Europa des Vereins Berliner Journalisten am vergangenen Donnerstag. Sein Kollege Yassin Adnan aus Marokko sieht das ähnlich.
Der arabische Raum sei kein monolitischer Block, so wie es in vielen Medien dargestellt werde. Er schlug vor: "Lasst uns doch mal zwei Jahre vollständig ohne internationale Berichterstattung auskommen. Mal sehen, ob das mehr bringt." Die Reaktion der versammelten Journalisten war so aufbrausend, dass er danach den scherzhaften Charakter seines Vorschlags mehrfach betonte.
Ein Dutzend Berliner Kolleginnen und Kollegen diskutierte engagiert mit den Gästen aus Marokko, Ägypten und Palästina. Es ging um Manipulation der Berichterstattung von allen Seiten im Nahostkonflikt, um Behinderung von Journalisten, um Diebstahl von Kameras und Aufnahmegeräten. Es ging um Terror und die Frage, ob man mit radikalen gewaltbereiten Islamisten noch ins Gespräch kommen kann, was die arabischen Journalisten einhellig bejahten. Einig waren sich allerdings alle darüber, dass die Medien Teil eines unrühmlichen Spiels im Mittleren Osten sind.
Die Kulturjournalisten nehmen zur Zeit an einem Austauschprogramm der Heinrich-Böll-Stiftung teil, dessen Ziel es ist, Journalisten, Wissenschaftler und Künstler aus Europa und den arabischen Ländern zu vernetzen.
[22.08.2005]



