"Alles anders als Andere und besser"

Fachtagung "24 Stunden Zukunft"
oben: Teilnehmende [© Wilhelm]
unten: A. Fritsch (r.) [© Wilhelm]

Bericht von der Fachtagung "24 Stunden Zukunft" in Magdeburg 8./9.10.2005

Was bringt die Zukunft für junge Journalistinnen und Journalisten? Worauf müssen sie sich einstellen, inwiefern spezialisieren? Wie werden der journalistische Nachwuchs und deren Qualifikation von alteingesessenen Redakteuren und Medienfachleuten beurteilt?

"Mir ist nicht bange um unsere Zukunft", sagte Michael Konken, Vorsitzender des DJV, angesichts des großen Interesses, das die Tagung "24 Stunden Zukunft" bei den Teilnehmern fand. 95 junge DJV-Mitglieder waren gekommen. Doch Interesse allein reicht nicht aus. Konken wies darauf hin, dass die Berufsaussichten "am Ende der Ausbildungszeit zunehmend schlechter werden." Die jungen Journalisten seien immer besser ausgebildet, nur die Stellen fehlen im Endeffekt - Spezialisierung sei der Schlüsselbegriff, um in der Branche Fuß fassen zu können.

Vom Verein Berliner Journalisten waren sieben junge Redakteure und Volontäre in Magdeburg dabei. 24 Stunden hatte sie Zeit, um Antworten zu finden auf die Fragen: Wo bin ich? Wo will ich hin? Wer kann mich unterstützen? Was muss ich können? 24 Stunden, um die eigenen Ziele an die Zukunftsprognosen der Referenten und Podiumsteilnehmer anzupassen. 24 Stunden Zeit für die Zukunft.

Diese kann ganz unterschiedlich aussehen: Der Kommunikationsberater Klaus Kocks plädierte für eine hervorragende Ausbildung des journalistischen Nachwuchses. Davon profitiere nämlich auch die PR. PR-Leute seien immer besser ausgebildet, weil immer mehr Journalisten, die eine entsprechende Ausbildung genossen haben, in die PR wechselten. Auch wenn die PR als "korrupter Mutant" des "guten, freien Journalismus" gelte, so sollten doch beide Seiten zusammenarbeiten, um nicht ihre Beschäftigung an eine dritte Partei zu verlieren: die Werbung.

Um Werbung ging es auch in den fünf Workshops, die am Nachmittag angeboten wurden, allerdings um Werbung für sich selbst, für das eigene Können und die persönlichen Fähigkeiten. Dazu müsse man seine Kompetenzen realistisch einschätzen können und konkrete Ziele benennen, riet Cordula Nussbaum. Ein Strategieplan sei für solche Vorhaben durchaus sinnvoll, meint die Journalistin und Trainerin. Dieser müsse dann nur noch abgearbeitet werden: Arbeitgeber und Marktpreise recherchieren und schließlich mögliche Arbeitgeber gezielt ansprechen. Was alles so einfach und sinnvoll klingt, blieb für Viele jedoch zu oberflächlich. Konkrete Hinweise und Tipps, wie der Artikel in den Druck kommt, blieben leider aus aufgrund der zu knapp bemessenen Zeit. In 24 Stunden lässt sich eben noch kein perfekt ausgearbeitetes Zukunftskonzept erstellen. "Alles anders als Andere und besser" machen, lautet die Devise.

Die Tagung schloss mit einer Podiumsdiskussion zum Thema Boulevardisierung der Medien. Hier diskutierten Joachim Huber (Medienredaktion Tagesspiegel), Ulrich Klugius (RTL "Explosiv"), Ralph Kotsch (Medienredaktion Berliner Zeitung), Harry Nutt (Feuilleton Frankfurter Rundschau), Christoph Schultheis (Bildblog) und Sandro Viroli (ARD "Brisant"). Geleitet wurde die Diskussion von unserem Vorstandsmitglied Alexander Fritsch. Joachim Huber fasste die Diskussion treffend zusammen mit dem Hinweis, die anwesenden Zuhörer sollen keine Scheu vor dem Boulevard haben, lerne man doch dort am ehesten, Dinge zuzuspitzen, exakt und anschaulich zu berichten. Zu einem Praktikum bei der Bild-Zeitung ermunterte er jeden, der im Journalismus arbeiten möchte, denn "ich halte die Bild-Zeitung für die am besten redigierte Zeitung." Christoph Schultheis widersprach nicht.

 

Jana Wilhelm 11.10.2005